Politik

Zwei Deutsche in Ägypten verschwunden

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Bei der Einreise nach Ägypten wurden offenbar zwei Deutsche festgenommen – doch nur in einem Fall gibt es dafür eine Bestätigung aus Kairo.

Der 18-jährige Schüler Isa El Sabbagh in Gießen.

Seit mehr als drei Wochen fehlt von Isa El Sabbagh jede Spur. Der 18-jährige Schüler aus Gießen, der neben der deutschen auch die ägyptische Staatsbürgerschaft besitzt, wollte seinen kranken Großvater in Kairo besuchen. Am 17. Dezember flog er in Frankfurt (Main) los. Doch nach der Ankunft auf dem Flughafen im ägyptischen Luxor verschwand der junge Mann.

„Seitdem er ins Flugzeug stieg, haben wir nichts mehr von ihm gehört“, sagte sein Vater Mohamed El Sabbagh dem Tagesspiegel. Eigentlich wollte Isa noch am selben Abend nach Kairo weiterreisen. „Er hatte bereits eingecheckt, saß aber nicht im Flugzeug.“ Später erfuhren Angehörige in Kairo, dass er wohl in Luxor festgenommen worden sei.

Familie fürchtet, der 18-Jährige könne gefoltert werden

Isa El Sabbagh ist in Frankfurt (Main) geboren, die Mutter ist Deutsche, der Vater Ägypter. In diesem Sommer will er sein Abitur machen. „Es war das erste Mal, dass er allein nach Ägypten gereist ist“, sagte sein Vater. Seine Familie ist nun in großer Sorge um ihn und fürchtet, er könne in der Haft gefoltert werden. „Ich habe Angst, dass er das gleiche Schicksal erleidet wie der in Ägypten getötete italienische Student Giulio Regeni.“ Vor drei Jahren war Regeni in Kairo spurlos verschwunden.


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Der 28-Jährige wurde später tot aufgefunden, seine Leiche wies Spuren schwerster Folter auf. Menschenrechtsorganisationen vermuteten aufgrund seiner Verletzungen, er könnte von ägyptischen Sicherheitskräften getötet worden sein.

Weiterer Deutsch-Ägypter ist in Gewahrsam

Zehn Tage nach Isa El Sabbagh verschwand ein weiterer Deutscher bei der Einreise nach Ägypten. Der 23-Jährige aus Göttingen, der ebenfalls beide Staatsangehörigkeiten besitzt, flog am 27. Dezember gemeinsam mit seinem Bruder von Saudi-Arabien nach Kairo, um Verwandte zu besuchen. Am Flughafen wurde er festgehalten, während sein Bruder weiterreisen durfte. Angehörige erfuhren später, er werde vom Geheimdienst festgehalten. Auch seine Familie wandte sich mit der Bitte um Hilfe an die deutsche Botschaft in Kairo, die sich daraufhin um Aufklärung bemühte.

Doch erst knapp zwei Wochen nach dem Verschwinden des Mannes aus Göttingen erhielten die deutschen Diplomaten nun eine Rückmeldung zu diesem Fall: Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Dienstagabend mit, er befinde sich im Gewahrsam der ägyptischen Behörden.

Deutsche Diplomaten schicken Verbalnote

Dagegen hat die Familie von Isa El Sabbagh noch immer kein Lebenszeichen, eine offizielle Bestätigung seiner Festnahme gibt es bisher nicht. Auch in seinem Fall bemühen sich deutsche Diplomaten um Informationen. Sie sandten bereits eine Verbalnote an das ägyptische Außenministerium. Doppelstaatler werden von den Behörden in Kairo wie andere Ägypter behandelt – die deutsche Botschaft wird also nicht automatisch informiert.

Die Fälle erinnern an die Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei in den vergangenen Jahren. Auch dort war es für das Auswärtige Amt insbesondere bei den Doppelstaatlern schwierig, Informationen und konsularischen Zugang zu den Inhaftierten zu bekommen.

In Ägypten sitzen Regierungskritiker, friedliche Demonstranten und Journalisten ebenso hinter Gittern wie echte oder vermeintliche Anhänger der Muslimbrüder. Menschenrechtsorganisationen werfen den Behörden unfaire Gerichtsverfahren und willkürliche Festnahmen vor. Folter werde besonders in den Haftzentren des Geheimdienstes „systematisch praktiziert“, heißt es bei Amnesty International. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sitzen etwa 60.000 politische Häftlinge in ägyptischen Gefängnissen.

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