Kultur

TV-Tipp: Helden der Krise

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Wie schnell eine Familie in finanzielle Sorgen rutschen kann, das zeigt eine TV-Dokumentation im SWR.

Georgia und Basiliki reden über ihre Zukunft. Foto: Pavlos Kosmidis/AMA Film/SWR

Bis gestern war noch alles in schönster Ordnung, doch dann begann ganz plötzlich der lange Fall bis fast in die Armut – mitten in der griechischen Wirtschaftskrise, die bis heute nicht ausgestanden ist. Davon berichtet die Dokumentation «Helden der

Krise». Sie läuft an diesem Donnerstag zu recht später Stunde um 23.45 Uhr im SWR-Fernsehen.

Der Film führt den Zuschauer zu einer Familie, die mit ihrer Katze im Zentrum der Hauptstadt

Athen lebt. Vater Panagiotis raucht viel, Mutter Georgia hält alle zusammen, und Tochter Vasiliki mag gar nicht 18 Jahre alt werden, «weil dann alle Schwierigkeiten erst so richtig anfangen», wie sie in der Dokumentation sagt. Alle drei kämpfen auf ihre Art um das wirtschaftliche Überleben, suchen händeringend nach Jobs – zumal ihre schöne Wohnung unbedingt vor der drohenden Zwangsversteigerung bewahrt werden soll.

Die Familie hatte einmal ein Restaurant betrieben, Vasiliki ist praktisch darin aufgewachsen – bis sie es wegen zu hoher Kosten schließen mussten. Alle drei jammern nicht, aber wütend sind sie schon – und sie versuchen, aus einer fast ausweglosen Situation herauszukommen. Größere Geldausgaben wie Kino oder Essengehen sind nicht drin. Panagiotis (55) ist gelernter Koch und würde sofort wieder arbeiten, weil er gerne zur Arbeit geht. Er sagt: «Der Staat will nicht, dass Du in Rente gehst, aber wenn Du arbeiten willst, dann halten Sie Dich für zu alt. Das macht mich verrückt.» Schließlich findet er einen

Job in einem Strandcafé auf einer Ferieninsel.

Autorin Rebekka Kaufmann schildert eindrücklich den Alltag und Überlebenskampf dieser Familie, die stets genau schauen muss, wo die Lebensmittel am günstigsten sind. Kaum finanzierbar ist eine Geburtstagsparty für die Tochter, die sich akribisch auf ihre Abiturprüfung vorbereitet, um danach bessere Chancen für ein Studium oder einen Ausbildungsplatz als Tanzschülerin zu bekommen. Ihre Freunde zeigen sich erstaunlich selbstkritisch und sagen, dass die jungen Griechen vom Ausland oft als Pechvögel wahrgenommen würden, weil sie sich selbst so dargestellt hätten. Trotzdem versuchen sie, das Leben zu genießen und Spaß zu haben: «Da sind wir in Europa ganz weit vorne».

Vasilikis Gesicht spricht jedoch eine andere Sprache, und die Mienen ihrer Eltern erst recht. Der Vater sagt irgendwann, dass seine Tochter ihn am Leben erhalten habe. Für Unbekümmertheit und Träume ist in Vasilikis jungem Leben kaum Platz. Doch solange sie und ihre Eltern noch die Kraft haben, werden sie ihren Kampf für ein ganz normales Leben nicht aufgeben. Wie immer das aussehen mag.

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