Wirtschaft

Deutsche Post will Briefporto von 70 auf 80 Cent erhöhen

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Der Standardbrief soll nächstes Jahr teurer werden. Dabei steigen schon jetzt die Verbraucherbeschwerden massiv an.

Postverordnung: Maximal 1000 Meter darf der nächste Briefkasten vom Wohnort entfernt sein.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, hatte es kommen sehen: “Ich rechne damit, dass sie das tun wird”, hatte der oberste deutsche Postaufseher kürzlich im Tagesspiegel-Interview auf die Frage geantwortet, ob die Post wohl noch in diesem Jahr ein höheres Porto für den Standardbrief beantragen wird. Die neueste Entwicklung gibt Homann Recht. Nach Informationen der “Bild am Sonntag” will die Post das Porto für den Standardbrief von derzeit 70 auf 80 Cent verteuern. Der Antrag, über den die Bundesnetzagentur entscheiden muss, soll im Laufe dieses Jahres gestellt werden, das neue Porto ab 2019 gelten.

Oberster Postaufseher: Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, muss die Erhöhungen genehmigen.

Die letzte Preiserhöhung liegt zwei Jahre zurück. Im Januar 2016 war das Porto für den Standardbrief von 62 Cent auf 70 Cent gestiegen, eine weitere Erhöhung beim Standardbrief war danach für die Folgejahre danach erst einmal ausgeschlossen. Der früheste Zeitpunkt, das Porto wieder heraufzusetzen, ist der 1. Januar 2019, der Antrag bei der Bundesnetzagentur muss dazu im Herbst eingehen. Die Post scheint, keine Zeit verschenken zu wollen.

Immer teurer: Das Briefporto soll angeblich auf 80 Cent steigen.

Post-Sprecher: “Spekulation”

Ein Post-Sprecher sprach am Wochenende von völliger Spekulation. Allerdings hatte Post-Chef Frank Appel bereits selbst signalisiert, dass die Briefpreise im kommenden Jahr steigen könnten. Den Rahmen dafür muss aber die Bundesnetzagentur abstecken. Der Regulierer berücksichtigt unter anderem die Inflation und die Personalkosten – und dürfte dem Bonner Konzern wohl Spielraum für ein höheres Porto geben. Sobald der Rahmen der Netzagentur feststehe, werde die Post entscheiden, welche Preise verändert werden sollen und dann deren Genehmigung beantragen, sagte der Sprecher.

Post-Chef hat aber selber schon Erhöhungen in Aussicht gestellt

Appel hatte angesichts von Gewinnrückgängen in der Brief- und Paketsparte bereits Anfang Mai angedeutet, dass es sowohl bei Paketen als auch bei Briefen höhere Preise geben könnte. Konkrete Entscheidungen gebe es aber noch nicht, hatte er betont. Beim Briefporto plädiert Appel für einen einzigen Schritt anstelle vieler kleinerer Erhöhungen. In der Sparte wuchsen die Kosten zu Jahresbeginn schneller als die Umsätze. Dies liegt auch an den Personalkosten. Denn die Beschäftigten verdienen dank eines Tarifvertrags mit der Gewerkschaft Verdi seit vergangenem Oktober 1,7 Prozent mehr, in diesem Oktober kommen noch einmal drei Prozent dazu.

Während das Porto für den Standardbrief in diesem Jahr noch stabil bleibt, müssen Verbraucher bereits ab Juli mehr für Bücher- und Warensendungen zahlen. Der Preis für eine Büchersendung bis zu 500 Gramm steigt um 20 Cent auf 1,20 Euro, Warensendungen bis zu 50 Gramm sollen künftig statt 90 Cent 1,30 Euro kosten. Die letzte Preiserhöhung bei Bücher- und Warensendungen hatte es 2013 gegeben. Bücher- und Warensendungen machen allerdings nur einen geringen Anteil an der Gesamtmenge der Briefe aus, anders als der Standardbrief.

Beschwerden über die Post steigen rasant an

Die anstehenden und drohenden Preiserhöhungen dürften die Kritik an der Post weiter verschärfen. Die Zahl der Verbraucherbeschwerden über die Post steigt erheblich an. 6100 Beschwerden zählte die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr – 2000 mehr als im Vorjahr. Der Trend scheint sich auch in diesem Jahr fortzusetzen und sogar noch zu beschleunigen. Die Klagen über die Post könnten 2018 einen neuen Rekord erreichen. Bis Ende Mai haben sich bereits rund 4100 Menschen über die Post beschwert. Meist geht es um Probleme bei der Zustellung. Über die Hälfte entfällt auf das lizenzpflichtige Brief-, ein Drittel auf das Paketgeschäft.

“Es gibt immer wieder mal Orte und Situationen, wo sich die Beschwerden häufen”, hatte Netzagentur-Chef Homann dem Tagesspiegel gesagt. “Wenn Zusteller krank werden oder Urlaubsvertretungen ausfallen, wird es schnell eng.” In Berlin hatte es etwa im letzten Herbst in einigen Bezirken riesige Probleme bei der Briefzustellung gegeben. (mit dpa)

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